Richtig gut, aber beim Grand Prix chancenlos
12.03.2010 05:07 UhrAichach-Friedberg/Köln Die Mission von TV-Entertainer Stefan Raab, einen aussichtsreichen deutschen Kandidaten für den Eurovision Song Contest alias Grand Prix zu finden, endet heute Abend. Mit „Unser Star für Oslo“ flimmerte dazu eine weitere Musik-Castingshow in die Wohnzimmer - aber eine mit viel Niveau, sagen Fachleute aus der Region. Trotzdem glauben sie nicht, dass unsere Kandidatin Chancen beim Song Contest hat.
„Beim Grand Prix gewinnt doch meist der, der die größte Show macht. Unsere Leute singen zwar schön und schauen gut aus, aber ihre Musik ist eher was für kleine Bühnen“, sagt Julia Sedlbauer. Die 23-jährige Sängerin der Aichacher Band „Tom, Dick and Harry“ findet Raabs Sendung jedoch gut, weil sie wahre Talente hervorbringe und die Kandidaten nicht so vorführe wie andere Castingshows. Für Sedlbauer selbst käme es jedoch nicht infrage, ihre Musik von einer TV-Jury bewerten zu lassen.
Schon vor dem heutigen Finale von „Unser Star für Oslo“ in der ARD - die mit Privatsender Pro 7 dafür extra eine Kooperation einging - steht fest, dass eine 18-Jährige gewinnen wird: Rockröhre Jennifer Braun aus dem hessischen Eltville oder die unkonventionelle Lena Meyer-Landrut aus Hannover.
Für Stimmbildner Hans-Ulrich Höfle sind beide Damen nicht die Idealbesetzung. Der Rehlinger ist Chorleiter und Mitglied des Bundesverbandes deutscher Gesangspädagogen. Jenny hält er für etwas zu bieder, Lena sei zwar witzig, aber singe nicht so toll. Für ihn hätte Christian Durstewitz, der im Halbfinale am Dienstag ausgeschieden ist, das passende „Gesamtpaket“ gehabt: individuell, cool und musikalisch unheimlich gut.
Klaus „Brugi“ Weber findet dagegen, dass es „nicht die Verkehrte“ erwischt. Trotzdem: Gegen den vermeintlichen Punkteaustausch der osteuropäischen Länder beim Grad Prix könne die deutsche Kandidatin nicht ankommen. „Ein einstelliger Tabellenplatz wäre schon eine Überraschung“, sagt der IG-Rock-Vorsitzende und Frontman der JJ Blues Band. Im Gegensatz zu den Siegern bei „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) hätten Raabs Kandidaten aber Zukunft. Weber glaubt: „Bei DSDS geht es nur um die Einschaltquoten. Die Kandidaten werden verheizt und später im Regen stehen gelassen, auch wenn sie was draufhaben.“ Für die lokale Musikwelt ist die Casting-Begeisterung der Jugend eher kontraproduktiv, findet Weber. Anstatt sich mit ein paar Gleichgesinnten zusammenzutun und sich von unten hochzuarbeiten - wie etwa die „Sportfreunde Stiller“ -, suchten zu viele nur den schnellen Erfolg.
Sängerin Rebecca Heudorfer verfolgt keine Castingshows - sie hat keinen Fernseher. Die Dirigentin der Aindlinger Liedertafel weiß dennoch, dass diese Shows oft ein falsches Bild vermitteln. Wer gut singen wolle, müsse auch etwas dafür tun.
„Singen wie Christina Aguilera“ wollten viele, aber die Ausdauer dafür hätten nur wenige. Nicht nur von den Schülern, auch von den Eltern werde die Dauer einer fundierten Gesangsausbildung sehr oft unterschätzt. (ull) »Aus aller Welt
Bei uns im Internet
gibt es viele Infos zu Raabs Show. Sie können abstimmen, wer gewinnt, unter
www.aichacher- nachrichten.de
Aktionen & Angebote
Mobil sein mit der Augsburger Allgemeinen. Bestellen Sie den günstigen Prepaid-Tarif für unsere Leser. Nur 9 Cent pro SMS und Minute in alle deutschen Netze. 



















