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„Unser Star für Oslo“: Lena versus Jennifer - Hintergründe - Gesellschaft - FAZ.NET
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„Unser Star für Oslo“

Lena versus Jennifer

Lena Meyer-Landrut setzt auf Exzentrik, ein Instrument spielen kann sie nicht. Jennifer Braun zeigt sich bodenständiger und singt seit langem in einer Band. Wer Deutschland beim Eurovision Song Contest in Oslo vertritt, entscheiden die Zuschauer.

Die beiden Finalistinnen Jennifer Braun und Lena Meyer-LandrutDie beiden Finalistinnen Jennifer Braun und Lena Meyer-Landrut

12. März 2010 

Die beiden 18 Jahre alten Finalistinnen Jennifer Braun und Lena Meyer-Landrut kämpfen bei „Unser Star für Oslo“ heute Abend um die Teilnahme am Eurovision Song Contest am 29. Mai. Nach dem Halbfinale am Dienstag konnten sich beide vor lauter Freude kaum im Zaume halten. „Es ist so geil. Es ist ein Riesenerfolg, so weit gekommen zu sein“, sagte Lena. „Wir beide können jetzt eigentlich gar nicht mehr verlieren.“ Auch Jennifer konnte ihr Glück kaum fassen: „Dass ich es geschafft habe, ist echt fett!“

Einen Wikipedia-Eintrag hat sie nicht mehr. Er wurde unter anderem mit dem Vermerk „Offensichtlich enyzklopädisch irrelevant“ gelöscht, allerdings schon Anfang Februar. Damals kannte kaum jemand die 18 Jahre alte Hannoveranerin Lena Meyer-Landrut. Das hat sich geändert. Sie ist ein Star, mindestens noch bis heute Abend, vielleicht sogar bis Ende Mai, sollte sie tatsächlich an diesem Freitag das Finale von „Unser Star für Oslo“ gewinnen. Was danach kommt? Das Abitur, sagt sie. Vielleicht macht sie auch mit Musik weiter, wenn sie darf - als ob ihr das jemand verbieten wollte.

Merkwürdig wie Björk

Aus der Konkurrenz sticht sie hervor, weil sie immer wieder merkwürdige Dinge sagt. Das könnte Masche sein, denn es passt gut zu ihrer exzentrischen Art zu singen, die an Björk erinnert, was sie aber nicht so recht gelten lassen will, weil doch jeder Mensch einzigartig sei. Darum ziehe sie auch ihren Stil durch. Dass sie fast jedes Lied und damit wohl auch den beim heutigen Finale von den Zuschauern bestimmten Song interpretieren kann, hat sie im Laufe des Castings angedeutet. Sie ist ehrgeizig, wirkt dadurch manchmal fast verkrampft. Gleichzeitig gibt sie entwaffnend ehrlich Auskunft, wenn sie eingesteht, dass sie weder ein Instrument spielen noch eine Note lesen kann. Wenn sie es heute Abend schafft, wird sie schon morgen einen eigenen Wikipedia-Eintrag haben. Derzeit wird sie nur als kleiner Hinweis auf der Seite ihres 1929 geborenen Großvaters Andreas Meyer-Landrut geführt, der zuletzt Leiter des Bundespräsidialamts unter Richard von Weizsäcker war.

Gute Noten in der Schule, beim Casting eine Runde weiter kommen, sich selbst nicht verändern: Jennifer Braun aus Eltville am Rhein hat sich viel vorgenommen. Der Alltag des 18 Jahre alten Show-Kükens steht seit drei Wochen Kopf. Alles um sie herum habe sich von jetzt auf gleich verändert. „Manchmal ist es schon ein bisschen komisch. Da schauen mich fremde Menschen sekundenlang an und sagen nichts. Dann lächle ich einfach nett und die lächeln dann zurück“, sagt Jennifer. Die Vermutung liegt nicht fern, dass ein junges Mädchen abhebt, wenn es ein paar gute Kritiken einheimst oder wenn Achtzigerjahre-Ikone Nena gesteht „ich bin ein Jennifer-Fan.“ Doch die Rheingauerin bleibt bodenständig.

Bodenständig versus exzentrisch

Für die Zeit des Wettbewerbs ist Jennifer an drei Tagen der Woche vom Unterricht befreit. „Die Schule sagte sofort, mach dir keinen Stress, wir unterstützend dich. Das fand ich toll“, erzählt Jennifer. Allerdings seien alle darauf bedacht, das Thema „unten“ zu halten. Der Schulbetrieb müsse mit wenigen Ausnahmen so weiter gehen wie bisher. Aber das sei auch kein Problem, da Jennifer kein großes Aufhebens um sich mache, sagt die Schulleiterin. Im Alter von 13 Jahren stand sie mit ihrer Band das erste Mal auf der Bühne - mit Zahnspange und roter Lederhose. 50 Zuschauer hörten ihr damals zu. Heute sind es mehrere Millionen. „Sie ist auf der Bühne genauso wie auch im wahren Leben“, sagt ihre Freundin Lisa. Untereinander würden sie gar nicht so viel über die Castingshow reden. „Ich bin ein lauter, lustiger Mensch und verändern will ich mich auf gar keinen Fall.“

Text: pps., obo.
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, Michael Kretzer

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