Auch wenn er es nicht haben will: Stefan Raab hat das Bundesverdienstkreuz verdient! Warum? Weil seine Sendung "Unser Star für Oslo" uns in Zeiten vermeintlicher Politik- und Demokratieverdrossenheit das einfachste demokratische Grundprinzip vor Augen führt: Jede Stimme zählt. Wenn es heute Abend darum geht, den deutschen Teilnehmer beim Eurovision Song Contest zu bestimmen, dann entscheidet keine prominente Expertenjury, sondern wir. Jeder hat das Recht, seinen Favoriten und das Lied für Oslo direkt zu wählen. Mehr Demokratie geht nicht.
Stefan Raab hat sich das Ziel gesetzt, die Deutschen hinter einem Künstler ihrer Wahl zu versammeln. Dass ihm dies mit acht spannenden Fernsehshows gelingt, in denen sympathische und talentierte junge Menschen uns begeistert haben, zeigt zweierlei. Erstens: Die Bürger sind nicht so satt, unbeweglich und verdrossen, wie Politik und Medien es in ihrem Dauerlamento beklagen. Zweitens: Europäische Themen können begeistern. Es kommt immer auf die Idee an und darauf, wer sich für sie starkmacht. Glaubwürdigkeit und Begeisterung für die eigene Sache stehen dabei an erster Stelle.
Europa kann, darf und soll Spaß machen. Beim Eurovision Song Contest zeigt sich, wie vielseitig, inspirierend und lebendig Europa wirklich ist. Denn wie kein zweites kulturelles Event spiegelt der musikalische Wettstreit die Demokratisierung und das Zusammenwachsen Europas wider. Beim ersten Finale 1956 in Lugano nahmen nur sieben Länder teil. Den Gewinner machten Experten hinter verschlossenen Türen unter sich aus. In den Sechzigerjahren wurde die Sendung erstmals in der Sowjetunion und den Ostblockstaaten übertragen - über 30 Jahre vor dem Mauerfall! Heute sind jedes Jahr über 40 Nationen dabei, über 100 Millionen Zuschauer feuern ihre Interpreten zu Hause vor dem Fernseher an.
Der Song Contest ist also viel mehr als ein Gesangswettbewerb. Er ist ein Symbol für das Projekt Europa. Stefan Raab versteht seine Sendung als nationale Aufgabe. Wenn wir heute Abend unsere Stimme abgeben und unseren Star für Oslo wählen, dann erfüllen wir nebenbei auch noch eine europäische Aufgabe. Denn wir zeigen damit, dass wir an Europa und seine kulturelle Vielfalt glauben. Den Sieger des Song Contest kennen wir erst am 29. Mai, wenn alle Länder ihre Punkte vergeben haben. Der Gewinner steht jetzt schon fest. Denn am Ende des Abends heißt es wieder: Europe, 12 points!
Der Autor ist CDU-Abgeordneter im EU-Parlament und sitzt dem Ausschuss für Energie, Forschung und Industrie vor.




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