Ihr Traum vom Eurovision Song Contest ist geplatzt, doch ihre Fans glauben weiter an sie: In Jennifer Braun's Heimatstadt Eltville haben die Menschen vor einer Großbildleinwand ihrer Favoritin beim Castingfinale von "Unser Star für Oslo" die Daumen gedrückt. Die Niedergeschlagenheit war dann groß.
Foto: dpa/DPA
Jennifer Braun gewann nicht den Contest, dafür aber viele neue Fans
"Hast du die Nummer aufgeschrieben?“ kreischt ein Mädchen schrill, „wo ist die Nummer?“ Wild tippt sie auf ihr Handy ein. "Ich komme einfach nicht durch!“ Sie kämpft mit den Tränen.
Mit Telefonanrufen und SMS-Nachrichten stimmten Fans beim Castingfinale von „Unser Star für Oslo“ für Jennifer Braun.
Doch genützt hat es am Ende alles nichts. Für die 18- jährige Schülerin aus dem Rheingau ist der Traum vom Eurovision Song Contest geplatzt. Sie unterlag ihrer gleichaltrigen Konkurrentin Lena Meyer-Landrut aus Hannover. Die Enttäuschung in Jennys Heimatstadt Eltville ist groß.
Über 900 Menschen haben bei der „Final-Voting-Party“ vor einer Großleinwand live mitgefiebert. Der derzeit berühmtesten Tochter der Stadt drückten viele die Daumen. „Jede Sendung habe ich zehnmal angerufen“, berichtet Ellen Merder (52), „Jenny hätte es echt verdient.“ Die Fans glauben weiter an sie. „Jenny ist aufgeweckt, sie rockt und bringt immer gute Laune mit“, findet Frank (19).
Foto: REUTERS
Lena probt fleißig ihren Song für den Eurovision Song Contest in Oslo.
Foto: dpa
Laut der Anzahl der Suchanfragen bei Google wird Lena Meyer-Landrut den Grand-Prix gewinnen.
Foto: Universal
Ihr erstes Album ist schon auf dem Markt: "My Cassette Player".
Foto: Universal
Passend dazu posiert sie mit dem SKR 700 aus dem VEB Stern Radio. Wer in der DDR in den 80er-Jahren aufwuchs, wird ihn kennen.
Foto: Getty Images/Getty
Fräulein Meyer-Landrut ist der neue Lieblingsstar der Deutschen. Auf ihren Nachnamen hat sie inzwischen verzichtet. Einfach "Lena" lautet die Devise.
Foto: Getty Images/Getty
Mit ihrer unbekümmerten Art und ihrem eingängigen Grand-Prix-Song, scheint ihr alles zu gelingen.
Foto: Getty Images/Getty
Entdeckt wurde sie in der Casting-Show "Unser Star für Oslo".
Foto: Getty Images/Getty
Ob sie auch die europäischen Nachbarn mit ihrem Song begeistern kann?
Foto: dpa/DPA
Der Rummel hört nicht auf.
Foto: dpa/DPA
Nach ihrem Sieg bei "Unser Star für Oslo" wurde Lena Meyer-Landrut von Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil empfangen.
Foto: dpa/DPA
Mit dabei: Rund 1000 Fans, die die 18-Jährige für ihren Sieg bei der Casting-Show feierten.
Foto: dpa/DPA
Der Moment, als Lena in erfährt, dass sie nach Oslo zum Eurovision Song Contest fährt.
Foto: dpa/DPA
Die Freude war grenzenlos.
Foto: dpa/DPA
Den Titel, mit dem sie in Oslo auftritt, haben die ARD-Zuschauer ausgesucht, ...
Foto: dpa/DPA
... "Satellite" heißt er.
Foto: dpa/DPA
Diesen Titel wird sie nun am 29. Mai beim Finale des internationalen Musikwettbewerbs singen.
Foto: dpa/DPA
Viele Fans riefen für sie an ...
Foto: dpa/DPA
Was ist Lenas Erfolgsgeheimnis? Showinitiator und Jurypräsident Stefan Raab formuliert es so: "Es gibt viele, die sind so, und es gibt wenige, die sind anders, und du bist eben anders."
Foto: obs/DPA
Schon zu Beginn der Sendung zählte sie zu den Favoriten.
Foto: dpa
Lena Meyer-Landrut hat sich bei Raabs Castingshow als Ausnahmetalent bewiesen.
Foto: picture alliance / dpa/dpa
Besonders ihre ungewöhnliche Songauswahl und ihr perfekter, englischer Akzent überzeugten.
Foto: dpa/DPA
Weitere Markenzeichen: ungewöhnlicher Tanzstil und absolute Unbekümmertheit.
Foto: picture alliance / dpa/dpa
Lena ist 18 Jahre alt und kommt aus Hannover.
Foto: picture alliance / dpa/dpa
Sie macht gerade ihr Abitur.
Foto: Willi Weber/ProSieben
Nach der Schule will sie auf jeden Fall in die Musikbranche.
Foto: dpa/DPA
"Tanzen, hüpfen - alles, was mir Spaß macht", sind ihre Lieblingshobbys neben dem Singen.
Foto: dpa/DPA
Insgesamt hatten sich mehr als 4500 Menschen für das Casting beworben.
Foto: dpa/DPA
Zusammen mit Jennifer Braun erreichte sie das Finale der Show.
Foto: picture-alliance / dpa/dpa
Falls jemandem der Name Meyer-Landrut bekannt vorkommt: Ihr Opa Andreas Meyer-Landrut war mal Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in der UdSSR. Hier ein Foto von ihm aus dem Jahr 1988.
Attestiert hatten ihr das auch die Juroren der Fernsehsendung: „Du hast abgeledert, was das Zeug hält“, urteilte Entertainer Stefan Raab nach Jennys Auftritt mit dem Lied „I care for you“.
Anzeige
Auch Stefanie Kloß, Frontfrau der Band Silbermond, stimmte zu: „Das war großes Kino.“ Umso größer die Niedergeschlagenheit bei ihren Fans zu Hause.
„Wir sind ein bisschen enttäuscht, aber auch stolz“, sagte Eltvilles Bürgermeister Patrick Kunkel (CDU) in der brechend vollen Turnhalle. „Ehrlich gesagt war Jenny besser“, findet Vanessa (22), „Lena redet eher, als dass sie singt“.
Stolz prangt auf ihrem T-Shirt das Motto des Abends: „Jenny for Germany“. Doch neben ihr leere Blicke, feuchte Augen und reglose Mienen.
Die Stadt am Rhein hat in den letzten Wochen viel Trubel erlebt: Seit Tagen standen die Telefone der Stadtverwaltung nicht mehr still. Fans boten sich als PR-Manager oder Assistenten an. Jetzt soll wieder Ruhe einkehren. Sobald die junge Sängerin zurück ist, will Bürgermeister Kunkel sie in der stadteigenen Burg willkommen heißen. Er ist sich sicher: Für die 18- Jährige geht die Karriere auch ohne ein Ticket nach Norwegen weiter.
Mit dabei war auch Jennys beste Freundin Nathy (21). Sie ist absichtlich nicht ins Fernsehstudio gefahren: „Jenny braucht mich hier mehr als in Köln.“
Mit sechs Handys gleichzeitig stimmte sie ab doch vergeblich. Dass Jenny überhaupt so weit kommt, hätte sie nicht gedacht. Betrübt blickt Nathy auf die Leinwand: „Es ist schade. Aber lieber einen guten zweiten Platz als später beim Grand Prix einen schlechten 20.“ Sie freut sich, Jenny bald um den Hals fallen zu dürfen. Bei einem ausgiebigen Mädchenabend hätten sie nun vieles zu bequatschen.
Ende Mai wird Siegerin Lena mit dem Pop-Song „Satellite“ beim Eurovision Song Contest antreten. Insgesamt hatten sich mehr als 4500 Menschen in Deutschland um das Ticket nach Oslo beworben.
Auf Jenny warten in Eltville nun ihre Freunde, Familie und Band. Noch während der Sendung resümierte sie: „Ich habe am meisten gelernt, dass man sich selbst treu sein soll, und man nie glauben soll, dass man es nicht schafft. Das Blatt kann sich schnell wenden.“