Von Erdal Aslan
TV-CASTINGSHOW Kiedrich feiert 18-jährige Jennifer Braun /Schülerin erreicht bei "Unser Star für Oslo" nächste Runde
/KÖLN. Halbfinale! Jennifer Braun aus Eltville hat es in die nächste Runde geschafft. Sie hat sich im Viertelfinale durchgesetzt und ist eine von vier Teilnehmern im Halbfinale am Dienstag in der Casting-Show "Unser Star für Oslo". Damit hat sie weiter Chancen Deutschland beim Eurovision Song Contest 2010 zu vertreten. Das wünschen ihr auch die 200 Gäste im überfüllten Kiedricher Winzerhaus, die Jenny gestern Abend die Daumen drücken. Am Anfang sieht es noch so aus, als hätte sich die Voting-Party in Kiedrich nicht wirklich herumgesprochen. Aber kaum geht es auf den Sendebeginn zu, trudeln die Gäste ein.
Aus dem Winzerhäuschen
Jennys Onkel Thomas Reitberger ist wegen der Party aus München angereist. "Wir sind durch Nebel und Wind geritten, um unsere Jenny zu unterstützen", sagt er scherzhaft. Er wolle sie mit den Rheingauern zusammen unterstützen. Der Rheingau hält zusammen, das merkt man an diesem Abend. "Wenn nicht jetzt, wann dann", sagt ein Gast.
Und schon ist Jennifer Braun zum ersten Mal dran. Heute Abend darf jeder Teilnehmer live im Ersten zwei Mal sein Bestes geben. Jenny hat sich bei ihrem ersten Song für die Ballade "Soulmate" von Natasha Bedingfield entschieden. "Pssst", hört man aus allen Ecken, um die störenden Geräusche zu unterbinden. Wie viele andere Gäste hält es auch Dieter Braun, Jennys Vater, nicht auf dem Stuhl. Er steht mitten im Saal, weiß nicht wirklich wohin mit den Händen. Der Song geht ihm nahe, er hat Tränen in den Augen. Auch die anderen Gäste sind sehr angespannt. Einige schaffen es aber zum Takt mitzuschunkeln.
Kaum ist Jennifer fertig mit ihrem ersten Auftritt, ist das Publikum aus dem "Winzerhäuschen". Nach dem Urteil der Jury um Stefan Raab gibt es wieder lautstarken Applaus. Auch die Gründungsmitglieder von Jennys Band "Rewind" nicken sichtlich zufrieden. "Im Gegensatz zu Stefan Raab habe ich nichts Falsches gehört. Das war sauber gesungen!", sagt Gitarrist Markus Vowinkel (49). Die Elftklässlerin trägt heute ihre Glücksringe und ihren Glücksgürtel, wie sie selber in der Show sagt. Und die helfen ihr beim zweiten Song. Sie rockt das Haus mit dem Titel "Nobody´s Wife" von Anouk. Jetzt ist Jennifer voll in ihrem Element und tanzt hemmungslos auf der Bühne. Die Besucher im Winzerhaus stehen ihr aber in nichts nach, viele tanzen als wären sie selbst auf der Bühne. "Absoluter Hammer", beschreibt Winzerhaus-Betreiber Stefan Fleischner die Atmosphäre. Er hat seine Gaststätte "seinem" Dieter Braun zur Verfügung gestellt.
Kaum gibt Fernseh-Moderator Matthias Opdenhövel den Startschuss zur Abstimmung, werden in Kiedrich die Handys ausgepackt und wie wild die Tasten bedient. "Voootteen!", rufen die Gäste in den Saal, damit es auch jeder mitkriegt. Die Telefone laufen heiß. Und es wird nicht aufgehört zu voten, bis der Gong ertönt.
Jetzt kommt es darauf an. Die Anspannung ist regelrecht durch den ganzen Raum zu spüren. Es knistert. Erst auf dem dritten Zettel erscheint Jennys Name. Sie ist weiter. Es brechen alle Dämme im Winzerhaus. Man sieht nur noch, wie sich wildfremde Menschen jubelnd in den Armen liegen. "Super, super, super", ruft freudenspringend Gabriele Reitberger, Jennys Tante. Dieter Braun ist überglücklich: "Jenny, ich gebe dir meine ganze Kraft."

